Schon immer: Gewichtige Gründe gegen "Italian Lease"

Das "Italian-Lease" 

Grundsätzlich bietet das Italian-Leasing folgende VAT-Raten:

  • Yachten über 24 m:                          6,4%
  • Yachten von 16,01-24 m:                  8,8%
  • Yachten von 12,01-16 m:                11,0%

» Bei einer Yacht über 24 m damit um 0,9% teurer als vergleichsweise die Malta-Lösung mit 5,4%, bei einer Yacht unter 24 m 1,2 % teurer als die Malta-Lösung mit 7,2

UPDATES:


EUGH, Oktober 2017

Ob diese Art der Yachtfinanzierung jedoch seit dem EUGH Mercedes Urteil von 2017 noch als "Erbringung von Dienstleistungen" zu qualifizieren ist, ist fragwürdig. Gemessen an den Urteilsbegündungen liegt ein Abzahlungskauf vor, der zu Beginn des "Lease" der vollen geltenden Umsatzsteuer zu unterwerfen ist. Damit verstößt das Italian-Lease gegen EU-Recht.


 

Yacht-Leasing-VAT nach dem EuGH Mercedes-Urteil: BMF vom 18. März 2020

Bundesministerium für Finanzen stellt die Einordnung der Überlassung von Gegenständen im Rahmen von Leasingverträgen klar

FAZIT: Yacht-Leasing-Modelle sind dann keine Abzahlungskäufe mit fällig voller Mehrwertsteuer mit der ersten Rate, wenn sie wirtschaftlich als echte Nutzungsleasings mit reellem Restwert kalkuliert sind und nicht nach einer kurzen Laufzeit zur faktischen Abzahlung der Yacht führen und wirtschaftlich keine Alternative zur endgültigen Übernahme besteht.


 

“Alte” VAT auf Charter in Italien bis 31.10.2020 weiter anwendbar – aber Ende des “Italian Lease” besiegelt

Die italienische Steuerbehörde hat am 17. August mit Beschluss Nr. 47/E/2020 über die Verschiebung des neuen Mehrwertsteuergesetzes auf den 1. November 2020 veröffentlicht. Damit ist die “alte” Mehrwertsteuerregelung (6,6% für Yachten über 24 Meter) für Charterverträge, die in Italien beginnen, bis zum 31. Oktober anwendbar.

Italienische Charterverträge, die nach dem 31. Oktober 2020 abgeschlossen werden, unterliegen dann dem neuen Mehrwertsteuergesetz: 22% italienische Mehrwertsteuer falle für die Zeit an, in der die Yacht in EU-Gewässern weilt, was nachweisen werden muss. Noch nicht klar ist, ob das neue Mehrwertsteuergesetz auch auf jene Charter für die Saison 2021 anwendbar sein wird, die vor dem 1. November vereinbart und vollständig bezahlt werden.

Ungeachtet der Aufschiebung der neuen VAT-Rechtslage gelten die neuen Regeln ausdrücklich nicht nur für Kurzfrist-Charters unter 90 Tagen, sondern auch für solche darüber und für das Leasing. Letztlich reagiert der Gesetzgeber auch in Italien lediglich auf das EuGH-Mercedes Urteil vom Oktober 2017. Danach sind Yacht-Leasing-Modelle dann keine Abzahlungskäufe mit fällig voller Mehrwertsteuer mit der ersten Rate, wenn sie wirtschaftlich als echte Nutzungsleasings mit reellem Restwert kalkuliert sind und nicht nach einer kurzen Laufzeit zur faktischen Abzahlung der Yacht führen und wirtschaftlich keine Alternative zur endgültigen Übernahme besteht. Damit ist das “Italian Lease” mit einer Versteuerung der Yacht über Leasingraten mit pauschal vergünstigter MwSt. passe´.

Wer künftig günstigere VAT in Anspruch nehmen will, muss die tatsächliche Nutzung der Yacht innerhalb und außerhalb von EU Gewässern nachweisen. Jede Route, jeder Liegeplatz, alles muss dokumentiert werden. Dies erfordert eine adäquate technische Ausrüstung der Yachten mit Satelliten Transpondern, z.B A.I.S. Automatic Identifcation System. Anerkannt werden: a) Aufzeichnungen mittels analogem oder digitalem Logbuch, b) digitale Fotos der Positionen vom Plotter, mindestens 2 x pro Woche sowie c) Dokumentationen per Rechnungen, Verträgen, Belegen. Jederzeit können Inspektionen erfolgen.

In Konsequenz muss schon der Chartervertrag genaue Routen- und Nutzungsortbeschreibungen und -planungen enthalten inkl. Regelungen mit Sanktionen und Zahlungen, wenn diese Routen nicht eingehalten werden.

Der Vorbehalt der Nachprüfungszeit ist lange: Bei erfolgter VAT-Anmeldung 5 Jahre ab dem 31.12. des Jahres der Abgabe, bei noch nicht erfolgter VAT Anmeldung 7 Jahre ab dem 31.12. des Jahres, in dem die VAT Anmeldung hätte erfolgen sollen.

 

Ungeachtet der Abschaffung der Pauschalbesteuerung bot das Leasing Modell noch nie Rechtssicherheit und ist eine Mogelpackung, die am Ende dem Vorbehalt der Nachprüfung unterliegt und selbst für Italiener nur ganz selten hält.

Die obigen Quoten gelten – anders als in Malta – unter VORBEHALT DER NACHRPRÜFUNG DURCH DIE STEUERBEHÖRDE. Wenn diese Quoten (d.h. 70% der Fahrzeit außerhalb 12 sm in der EU) nicht anhand der Logbücher genau nachgewiesen werden können, wird die volle MwSt. von aktuell 22 % fällig:

“The captain of a yacht shall carefully keep the logbook of the yacht. The logbook is a record of operational data relating to a ship (under Italian navigation code, a vessel whose overall length exceeds 24 meters is a ship) such as weather conditions, times of routine events and significant incidents, crew complement or what ports were docked at and when. The logbook, which can be also in electronic format, is essential to traditional navigation, and must be filled in at least daily. The captain of a yacht is required by international maritime conventions and national legislation to keep accurate records of the cruise. As such, in the case of inspections on board carried out by Italian Cost Guard or by Guardia di Finanza, the captain of the yacht shall immediately provide evidence of the cruise and of the route taken with indication of the actual time spent in international waters. This should be sufficient evidence to prove the correctness of the application of the reduced rate or of the non-application of VAT on the invoice.“

90% der Yachten über 24 m können keine 70% Offshore-Quote  wie gefordert nachweisen, so dass nach einer
Überprüfung die 30% Rate obsolet ist.

Damit funktioniert das Italian-Leasing nur für Eigner, die nachweislich weitgehend oder ausschließlich außerhalb der EU-Gewässer unterwegs sind, z.B. in der Karibik.

Wir hatten Mandate aus dem Bereich laufender Italian-Leasing Verfahren, die allesamt notleidend waren und nicht wie vorgesehen aufgehen.

Am Ende bekam der Eigner u.a. nicht das ersehnte „EU-VAT-Paid“ Certificate, sondern nur einen Nachweis auf die bezahlte MwSt. für den Kaufoptionspreis.

Fazit:

Das Italien-Leasing ist aus unserer Sicht nicht empfehlenswert; zu viel spricht dagegen. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko besteht schon darin, dass das Leasing nur über in Italien zugelassene Leasinggesellschaften (meist Bank-Tochtergesellschaften) mit fixer Gestaltung möglich ist. Damit zahlt der Leasingnehmer auf ein Boot, das der Leasinggesellschaft gehört. Geht diese z.B. insolvent, wie viele Beispiele zeigen, wird aus seiner Kaufoption am Ende des Financial-Lease wertlos. Zudem machen viele Banken/Leasinggesellschaften in Italien bei dem Versuch eines Rauskaufs Probleme, sei es durch Unkenntnis der Materie oder durch übertriebene Compliance. Wir haben schon 6-12 Monate für solche Übernahme-Prozesse benötigt, die in längstens einem Monat abwickelbar wären.